Vor mehr als einem Jahr habe ich mich schon einmal mit dem Thema Autohaus App beschäftigt. Grund genug, wieder einmal hinzusehen und Bilanz zu ziehen. Den von mir damals aufgerufenen Punkten habe ich nichts hinzuzufügen, beschreiben diese doch lediglich die irgendwie notwendigen Dinge, um so eine Autohaus App erfolgreich zu gestalten.

Autohaus-App – kommt Bewegung in den Markt?

Im Markt ist seitdem auch etwas passiert: Auf der Automechanika 2012 hagelte es den Innovationspreis für eine App von Applicodata in Zusammenarbeit mit Betzemeier Automotive Software. Interessant aus meiner Sicht ist der Umstand, dass hier mehr Daten zwischen Kunde und Autohaus transferiert werden, als bei vielen anderen Angeboten. Das Ganze funktioniert über eine Anbindung des Betzemeier-DMS an die ApplicoData-App sowie weitere Tools. So lassen sich seitens des Kunden diverse Abfragen in Echtzeit stellen, die über andere Apps, wenn überhaupt, nur mit Medienbrüchen laufen. Das Ablaufdatum des Leasingvertrages, Fahrzeugdaten aus dem DMS, die Kundenzufriedenheitsumfrage via Push-Mitteilung, Anbindung an das Servicedepot – das ist doch ein sehr guter Anfang.
Aber auch hier ist offenbar nicht alles Gold, denn noch immer werden Datenänderungen (z. B. Adresse), die der Kunde vornimmt, nur als E-Mail an das Autohaus gesendet. Dort muss dann wieder jemand diese Daten aus der E-Mail in ein System tippen. Auch die Serviceterminanfrage ist kein Meilenstein, solange diese nur als Anfrage per Mail gesendet wird. Dennoch: Es tut sich was und es läuft in die richtige Richtung.

Autohaus App – ohne Mehrwert für den Nutzer kein Erfolg

Allen anderen Anbietern sei ins Stammbuch geschrieben: Eine Autohaus App muss gegenüber der (mobilen) Webseite einen spürbaren Mehrwert für den Kunden bieten. Neben professioneller Aufmachung und guter Bedienbarkeit stehen also die Inhalte ganz weit oben. Mein Eindruck ist, dass manche App-Entwickler nicht den Kundenbedarf im Blick haben, wenn sie eine Autohaus-App entwickeln. Statt dessen sehe ich immer wieder Dinge, für die es schlicht keine Autohaus App braucht, da ist jede Suchmaschine schneller. Sicher gehört die Abbildung des Autohaus-Fahrzeugbestandes in eine App, aber dafür lädt sich kein Kunde so etwas herunter. Genauso verhält es sich mit der direkten Kontaktaufnahme zu Mitarbeitern. Das kann man auch von der Webseite aus, wo ist also der Mehrwert (vom möglicherweise zusätzlichen Pflegeaufwand bei den Autohäusern mal ganz abgesehen)?

Mein Fazit: Eine Autohaus-App lohnt sich nur selten

Es gibt also erste positive Zeichen im Markt, allerdings nur von einem Anbieter. Die DMS-Anbindung und die damit verbundenen Möglichkeiten sind der erste richtige und notwendige Schritt, um die Kunden zu beeindrucken. Schickimicki-Apps von Agenturen, die keine Ahnung vom Prozess Autokauf und After Sales haben und nur versuchen, ihr bestehendes Geschäftsmodell „App-Entwicklung“ möglichst gleichmäßig auf viele Branchen zu übertragen, werden scheitern. Dafür sind die Anforderungen zu hoch.

Also, liebe Autohäuser: Wer mit dem Betzemeier-DMS arbeitet, sollte sich deren Autohaus App näher ansehen. Alle anderen sollten lieber auf eine Web-App/mobile Webseite bzw. eine moderne Webseite in Responsive Design setzen. Das ist preiswert, i. d. R. über nur ein Redaktionssystem einfach zu pflegen und bietet dem mobilen Kunden ein annehmbares Erlebnis. Und wenn es dann endlich mehr Möglichkeiten zwischen DMS, Herstellersystemen, Fahrzeugbordelektronik und einer nativen App gibt, sollten Sie damit beginnen.

Wer schreibt hier? Derek Finke ist ein Digital Car Guy. Nach beruflichen Stationen in Autohaus, Autovermietung, Händlerverband und Unternehmensberatung ist er heute als Strategie- und Marketingberater für Selbständige und KMU tätig. Derek arbeitet nach dem Motto: Menschen machen gern Geschäft mit Menschen, die sie mögen und denen sie vertrauen!

Photo credit: Derek Finke