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Hallo Leute und Herzlich Willkommen zurück, beim autocontext Podcast von und mit Derek Finke. Autobusiness ist ein weites Feld und ich möchte mich auch nicht in alle Bereiche vorwagen. Doch ich denke, mit Bereichen, die vor allem mit Themen wie Strategie, Marketing, Werbung oder auch mit den Themen der Digitalisierung zu tun haben, werde ich mich auseinandersetzen. Heute fangen wir einfach mal an mit dem Bereich „Stärken und Schwächen des Autohauses“.

Stärken und Schwächen des Autohauses

Ich denke, viele machen sich darum im Tagesgeschäft keine Gedanken. Das ist sicherlich nicht vorzuwerfen, denn ich denke, im Tagesgeschäft ist man so abgelenkt von allen anderen Sachen, dass es schon einmal vorkommen kann. Dennoch macht es Sinn, das immer wieder zu tun, d.h., sich selbst zu hinterfragen bzw. sich selbst hinterfragen zu lassen. Es geht nicht darum, sich selbst ein Feedback zu geben, sondern sich das Feedback auch von Dritten zu holen. Das können Kunden sein, das können Mitarbeiter sein, Freunde, Bekannte – wer auch immer.

Wichtig ist nur, dass Ihr es tut und es regelmäßig tut, damit am Ende ein Bild entsteht, was Euch im Markt wirklich weiterhilft. Es geht also nicht darum festzustellen und zu sagen: „Ach Gott, sind wir schlecht“. Sondern es geht darum, Potentiale aufzudecken, Stärken festzustellen, mit denen man auch in den Markt gehen kann. Die man so gesehen als Pfund nutzen kann, aber auch um Schwächen festzustellen, wo man sich überlegen muss, sind wir da noch auf dem richtigen Weg? Können wir dagegen steuern? Und wenn ja, wie steuern wir am besten dagegen?

Das Ganze ergibt sich zwangsläufig aus Situationen, wenn man sich z. B. fragt, wo stehen wir eigentlich? Wo stehen wir heute, um den Ausgangspunkt festzustellen? Und natürlich auch, wo wollen wir hin? Dieser rote Faden, der dazwischenliegt, der muss in irgendeiner Form gestaltet werden, doch bevor man das tut, muss man sich erst einmal fragen, wo stehen wir heute? D.h., bevor ich sage, da und da möchte ich hin, wäre es sinnvoll zu sagen, wo komme ich eigentlich her? Diese Stärken und Schwächen Analyse bezieht sich auf das Autohaus selbst, auf den Betrieb, aber eben auch, wenn ihr Vertragshändler seid, zum Beispiel auf das Fabrikat bzw. auf Eure Produkte und Leistungen. In dem Rahmen wollte ich Euch mal kurz vorstellen, wie man das Ganze machen kann.

Stärken und Schwächen Analyse

Zum einen hat das ganze Zeilen, da stehen die einzelnen Punkte drauf, aber es hat auch Spalten. Eine Spalte beschreibt die einzelnen Themen. Z.B. den Standort, auf den wir gleich eingehen und dann zwei Spalten, wo man nur noch ankreuzt, das ist eher eine Stärke oder das ist eher eine Schwäche. Hierbei geht es um Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Es geht hierbei nicht darum, sich etwas vorzulügen, ganz egal, ob ihr gerade investiert habt oder nicht, ob ihr viel Lob von irgendwelchen Kunden bekommt oder irgendwelchen anderen Leuten.

Hinterfragt das Ganze immer wieder kritisch – wie gesagt, nicht mit dem Ziel, euch runterzuziehen. Sondern mit dem Ziel, Potentiale aufzudecken, die Euch helfen, innerhalb des Wettbewerbs die Nase vorn zu haben und die Euch auch helfen zu sehen, was können wir besser, wo sind wir praktisch Benchmark, wo sind vielleicht auch andere Benchmark. Man kann so etwas natürlich auch mit anderen machen, um einfach festzustellen, wo liegen wir wirklich. Verkaufszahlen, Absatzzahlen, Umsatzzahlen, Ertragszahlen sind nicht immer alles.

ie zeigen Euch unter Umständen immer nur die momentane Perspektive, also, das was jetzt ist. Aber es macht auch Sinn, mittel- und langfristig nach vorne zu schauen und sich zu überlegen, wo müssen wir eigentlich noch hin? Beginnen wir mal mit dieser Checkliste für Deinen Betrieb.

Standort

Könnte sich beziehen auf: Liegt er zentral? Liegt er abgelegen? Bin ich also am Stadtrand und schwer zu erreichen?

Natürlich ist das im Verkauf nicht ganz so dramatisch, allerdings sicherlich ein Thema im Bereich Service, wo viele Leute hinmüssen und auch wieder wegmüssen. Wenn Euer Standort da etwas abgelegen ist, wo zum Beispiel keine Bushaltestelle ist oder kein öffentlicher Nahverkehr, wenn das Ganze für den Kunden schwer zu erreichen ist, dann kann das schon ein Standortnachteil sein. Liegt ihr zentral, kann das in der Richtung eher ein Vorteil sein. Allerdings muss man sich auch Folgendes überlegen: Wenn ich mit einer Marke verbunden bin, die relativ hohe Anforderungen an mich stellt, die vielleicht mehr Investitionen fordert, die einen größeren Ausstellungsraum fordert oder ich selbst weiß, ich brauche mehr Platz, dann könnte ein zentral gelegener Standort trotz vieler Vorteile wieder ein Nachteil sein. Es ist nicht immer so ganz eindeutig, was ist jetzt Vorteil und was ist jetzt Nachteil. Da geht es zum Beispiel darum, das Ihr das Feedback von Kunden oder Mitarbeitern bekommt, die Euch sagen: „Hey, ich empfinde das so oder ich empfinde das so.“

Gebäude

Ist es modern? Ist es renovierungsbedürftig? Wie ist es ausgestattet? Wie ist es thermisch, energetisch aktuell?

Da gibt es viele Punkte, die man dahinter klemmen kann. Auch daraus müsstet Ihr selbst dann einen Mix bilden, der sagt: „Okay, ist das für mich eine Stärke? Bin ich da gut aufgestellt? Oder habe ich da echt eine Schwäche? Gutes Beispiel: Wenn Eure Marke von Euch jahrelang gefordert hat, Ihr müsst größere Ausstellungsräume bauen und jetzt langsam der Trend vielleicht dahingeht zu sagen: „Ja, es ist vielleicht gar nicht so gut, so viele Fahrzeuge dazu haben, sondern eher wenig und den Rest über multimediale Tools zu machen, dann habt ihr am Ende relativ viel, eigentlich ungenutzten Platz im Haus, den man nicht mehr gebrauchen kann.

Dann habt ihr in dem einen Fall zwar einen Vorteil, also eine Stärke, die da heißt: „Naja, wir haben eben viel Platz und wir können viel zeigen. Aber auf der anderen Seite ist es auch ein Nachteil, weil viel Platz heißt zum Beispiel auch viel Kosten für Pflege, Wartung, für Energie, bei nicht unbedingt mehr Chancen, um Fahrzeuge zu verkaufen. Man kann es immer so rum sehen und so rum sehen, da muss immer jeder selbst entscheiden, was ist da aus meiner Sicht richtig.

Größe

Bin ich eher ein Großbetrieb? Bin ich eher ein Kleinstbetrieb oder Kleinbetrieb? Oder liege ich irgendwo dazwischen?

Auch das kann sowohl ein Vorteil, als auch ein Nachteil sein, also eine Stärke, als auch eine Schwäche sein. Bin ich auf dem Land, denke ich, das ein Kleinbetrieb sicherlich einige Vorteile hat. Nicht nur, weil er kleiner ist, sondern, weil er am Ende auch etwas persönlicher wirkt, weil der Inhaber vielleicht noch selbst führt, weil das für die Kunden dort eine andere Beziehungsqualität darstellt, als zum Beispiel in einer Großstadt. In einer Großstadt kann ich mir vorstellen, dass es etwas unpersönlicher zugeht, dass der Anteil an Firmenkunden deutlich größer ist. An Kunden, die im Service die sogenannten Schlüsselwerfer sind, die am Ende also relativ wenig auf Beziehungen geben.

Das muss nicht so sein, aber wie gesagt, so etwas gilt es zu berücksichtigen. Ist meine Größe eher eine Belastung für mich? Oder ist sie vielleicht ein großer Vorteil? Wie gesagt, beides ist möglich, das ist grundsätzlich so, aber ihr müsst es für Euch entscheiden.

Image

Wo ist mein Image angesiedelt? Welchen Ruf habe ich? Gelte ich als modern? Gelte ich als flexibel? Gelte ich als preiswert? Gelte ich als teuer?

Es gibt viele Kriterien, die das Image fördern oder untermauern oder das Image schädigen können. Dazu zählt u. a. auch Eure Bewertungen im Internet. Durchforstet mal die Portale wie zum Beispiel Google, Facebook oder auch Autohauskenner, wo Kunden Bewertungen abgeben können. Ob Ihr es wollt oder nicht, sei dahingestellt, die Leute machen es einfach. Schaut Euch einfach mal an, wie bewerten Euch Kunden und welches Image habt ihr da?

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass die von den Herstellern initiierten Kundenbewertungen, also die CSS oder die Customer Satisfaction Survey, nur bedingt dafür taugen. Denn wenn man sich überlegt, auf welche Art und Weise die CSS heute beeinflusst wird von Seiten des Handels, dann glaube ich nicht immer, dass es das realistisches Urteil abgibt. Ich denke, es macht Sinn, die Dinge einzubeziehen, aber man sollte da auch kritisch sein und sich fragen, ist das jetzt wirklich ein realistisches Urteil? Oder habe ich an meinem Counter Flyer stehen, in denen ich darum bitte: „Bitte, bitte, bitte, gebt mir 5 Sterne, denn vier Sterne sind schon nicht mehr gut.“

Konkurrenz / Wettbewerb

Wie stark ist er? Ist er gut aufgestellt? Ist er stärker aufgestellt als ich?

Dazu zählt Interbrand genauso wie Intrabrand-Wettbewerb. Beide Varianten spielen eine Rolle. Dass Ihr Interbrand Wettbewerb habt, das ist völlig normal, das ist auch völlig in Ordnung und ich glaube, das ist auch ein völlig normaler Wettbewerb, der da immer wieder entsteht. Aus meiner Einschätzung ist der Intrabrand Wettbewerb viel gefährlicher. Denn da wo sich die Händler um dieselbe Art von Kunden prügeln, mit denselben Produkten, mit denselben Angeboten, da wird es immer mal wieder etwas eckiger und am Ende ist es schwer für den Kunden, den wirklichen Mehrwert eines Partners oder eines Händlers für sich zu erkennen.

Da ist es einfach so, dass es oft über den Preis geht und in Händlernetzen, die sehr stark besetzt sind, die wenig Raum zum Atmen für den Händler lassen, da ist der Intrabrand Wettbewerb relativ hoch. Das ist natürlich für Euch ein Nachteil.

Ansonsten: Ist der Wettbewerb stark? Ist der Wettbewerb schwach? Gibt es viele Markenkollegen? Gibt es wenige Markenkollegen? Wie sind diese aufgestellt? Wie sind die im Wettbewerb? Auch da nach denselben Kriterien messen wie Ihr das für Euch tut, das könnte man mal machen, um noch zu schauen, wo stehe ich wirklich, wo sortiere ich mich ein? Also Konkurrenz ein ganz wesentlicher Punkt.

Kundschaft

Ist die Kundschaft kaufkräftig? Bin ich also eher in einer Region, wo es kaufkräftige Kundschaft gibt? Oder bin ich in einer Region, wo das nicht so ist? Habe ich eine jüngere Klientel oder eine ältere Klientel.

Im Moment mag es so sein, dass die ältere Klientel für mich hervorragend und eher eine Stärke ist. Doch das mag in zehn Jahren schon anders sein, wenn die Klientel, die heute 65 Jahre alt, dann schon 75 ist und von unten relativ wenig nachwächst. Dann habe ich echt ein Problem. Im Moment mag dder Status gut sein, aber aus strategischer Sicht ist das Ganze vielleicht doch kein Vorteil. Auch das kritisch bewerten. Wie alt sind meine Kunden? Wie hoch sind die Durchschnittsumsätze pro Kunde usw. Das sind Dinge, die ihr Euch aus Eurem System ziehen müsst, aus dem DMS zum Beispiel und in der Richtung würde ich einfach mal sehen, wie sind wir da aufgestellt.

Verkaufsräume

Sind sie modern oder renovierungsbedürftig? Wirken sie attraktiv? Sind sie zu klein? Sind sie zu groß?

Alle Dinge, die auch beim Gebäude galten, kann man hier nochmal separiert nur alleine für den Verkaufsraum darstellen. Wenn Ihr Markenhändler seid und für die Marke ganz bestimmte strikte Zielvorgaben zu erfüllen habt, dann ist sicherlich auch das zu berücksichtigen und spielt auch eine Rolle.

Werkstatt

Ebenso wie das Gebäude und die Verkaufsräume: Ist sie modern? Ist sie renovierungsbedürftig? Wie ist sie technisch ausgestattet? Bin ich da auf dem aktuellen Stand? Stehen große Investitionen an? Einerseits, um den Zustand zu erhalten oder um den Zustand aufzuwerten.

Auch das sind Dinge, die man unter Stärke und Schwäche-Aspekten berücksichtigen muss.

Mein Service-Marktanteil

Auch ein ganz wichtiger Punkt. Wo liege ich im Service Marktanteil? Hierfür sind Zahlen zu ermitteln. Wie das geht, da kommen wir später nochmal drauf. Auch hier wieder, liege ich über dem Schnitt? Liege ich im Durchschnitt? Liege ich unterm Durchschnitt? Wie sortiere ich mich da ein?

Der Service-Marktanteil ist ein ganz wesentlicher Punkt, da er widerspiegelt, wie stark ich in diesem Bereich aufgestellt bin. Wir alle wissen, Service ist nun mal die erstragsreichste Säule im Autohaus. Soll heißen, wenn ich da gut aufgestellt bin, dann heißt es auch, dass meine Ertragsstärke größer ist und wenn ich da unterdurchschnittlich aufgestellt bin, dann heißt es am Ende eben auch, dass ich relativ wenig Ertrag zu erwirtschaften habe.

Meine Mitarbeiter in der Werkstatt

Wir haben die Mitarbeiter hier einmal aufgeteilt in Werkstatt und Verkauf. Im Bereich der Werkstatt ist es so, dass wir uns fragen, wie sind meine Mitarbeiter drauf und einerseits natürlich, wie sind sie ausgebildet. Ist das alles auf einem aktuellen Stand? Ist es ein Team, was da hinten arbeitet? Oder ist es eher so, dass die Leute nebeneinander arbeiten? Sind sie aufgeschlossen? Sind sie kompetent? Sind sie flexibel? Sind sie freundlich? Sind sie zuverlässig?

Das sind alles Dinge, die ich mir überlegen muss. Wie wirkt das zum Beispiel auf den Kunden? Wie kommt es bei denen an? Oder habe ich da hinten eher so ein zugeknüpftes Team von Werkstatt-Nerds, ich will sie mal so nennen, die für sich genommen vielleicht tolle Mitarbeiter sind, aber nach außen vielleicht etwas dröge wirken. Das hat natürlich auch Wirkung. Ihr solltet Euch fragen, wie sieht mich der Kunde, wie betrachtet mich der Kunde, das ist ein ganz wesentlicher Punkt.

Meine Mitarbeiter im Verkauf

Hier gilt grundsätzlich das Gleiche. Zusätzlich kann man hier noch sagen: „Kommen die Verkäufer sympathisch, arrogant oder als Schwätzer rüber? Oder kommen sie eben auch als Zuhörer rüber?

Auch wenn die Verkäufer für sich genommen gute Verkäufer sind, im Sinne von „sie verkaufen viel an die Kunden“. Auch da nochmal hinterfragen: „Istes so, dass nicht nur die Zahlen für Euch sprechen, sondern eben auch die restlichen Eigenschaften?“

Verkaufszahlen

Die Absatzstärke sehe ich eher unter relativen Gesichtspunkten. Also nicht die absolute Zahl: „Ich verkaufe XY Autos“, sondern eher: „Bin ich eher in einer absteigenden oder aufsteigenden oder auch stagnierenden Entwicklung? Soll heißen, wo komme ich her und wo entwickle ich mich gerade hin?

Denn es ist ja etwas Anderes, wenn ich sage: „Ich verkaufe 500 Fahrzeuge im Jahr“. Klingt für sich genommen ja erstmal ganz toll. Allerdings, wenn ich im letzten Jahr 700 verkauft habe, dann sind die 500 vielleicht ja nicht mehr so toll. Wenn ich jedoch im letzten Jahr 300 verkauft habe, dann sieht das anders aus. Also das Verhältnis betrachten, wo kommen wir her und wo entwickeln wir uns gerade hin? Auch das kann eine Stärke sein oder eben auch eine Schwäche.

Unsere Werbung

Wie gestalten wir unsere Werbung? Was macht ihr im Autohaus? Macht ihr das, was alle machen? Macht ihr das, was alle Vertragshändler eurer Marke machen? Oder gibt es bei Euch zum Beispiel irgendwelche ausgefallenen Sachen? Gibt es Dinge, die eher auf Handelsmarke hindeuten, also seid ihr eigentlich ein durchschnittlicher Händler eurer Marke? Oder habt ihr Aktionen, die Euch eher herausragen lassen, die Euch aus Sicht der Kunden, als differenzierenden, sich anders darstellenden Händler ausmachen lasse?

Wie ist die Werbung? Ist sie ansprechend oder einfallslos? Mache ich nur das, was andere Händler auch machen, im Sinne von „Schalte ich dieselben Anzeigen, wie alle anderen Vertragshändler meiner Marke?“ Damit falle ich nicht auf und kann keinen Blumentopf gewinnen. Das solltet Ihr einfach berücksichtigen, dass die ganz normale Werbung, die Vorlagen, die Ihr von den Herstellern bekommt, in weiten Teilen überhaupt nicht mehr wirkt bzw. einfach mal kritisch hinterfragt werden muss. Ich bin der Meinung, es wirkt nicht mehr, schon gar nicht, wenn fünf Kollegen um mich herum das Gleiche machen.

Damit kann ich mich nicht vom Wettbewerb absetzen. Immer beachten, dem Hersteller ist es im Grunde egal, wer von Euch Fünfen das Auto verkauft, Hauptsache das Auto ist verkauft. Nur Euch Fünfen kann es eigentlich nicht egal sein, weil jeder sollte das Interesse haben, es selbst machen zu können und insofern unterscheiden sich da die Interessen der Hersteller und der Händler. Da ist jeder Händler für sich gefordert, gute Werbung zu gestalten und eben auch sich selbst mit Argumenten, aber eben auch mit einer pfiffigen Strategie im Wettbewerb zu differenzieren, auch das ist eine Stärke oder Schwäche.

Öffentlichkeitsarbeit

Habt ihr gute Kontakte zu Journalisten zur Fachpresse, zu Eurer regionalen Presse? Seid Ihr dort regelmäßig vertreten? Macht Ihr mit denen etwas?

Das könnte zum Beispiel sein, dass regelmäßige Beilagen gestaltet werden, regelmäßige Sonderteile in den Zeitungen, zum Beispiel durch fachliche Beiträge, Kommentare und dass ihr die Journalisten vor Ort in dieser Richtung unterstützt. Öffentlichkeitsarbeit ist nicht nur Pressearbeit, es gilt auch: Wie ist Eure Beziehung zu dem öffentlichen Dienst, also zur Lokalpolitik, Kommunalpolitik? Seid Ihr da gut aufgestellt? Habt Ihr da Einfluss? Einfluss im Sinne von: „Ich kenne da Leute und ich kann da hier und da mal mitreden oder habe einen kurzen Draht zu Entscheidern in der Richtung.“ Das kann Euch in bestimmten Bereichen helfen.

Das wären die Stärken und Schwächen, die beim eigenen Betrieb abgeprüft werden müssen. Ein zweiter Punkt wäre der Bereich Fabrikat oder Produkt. Hier gibt es Bereiche, die ihr sicherlich schon einmal gehört habt.

Fabrikat oder Produkt

Image

Was für ein Fabrikat oder welche Marke, wenn ihr ein Händler mit mehreren Marken seid, vertrete ich? Soll heißen, wie ist deren Image? Ist es eher sportlich? Haben die eher den Ruf teuer zu sein? Oder sind es eher einfache oder solide Produkte? Alles das spielt eine Rolle. Das hat eben auch damit zu tun, wie Ihr, also stark oder schwach, aufgestellt seid.

Technik

Ist sie eher fortschrittlich? Anspruchslos? Ist sie Umweltfreundlich? Das sind Dinge, die im Bereich der Technik meiner Fabrikate eine Rolle spielen. Auch das verschafft Euch am Ende als Vertreter dieser Fabrikate ein gewisses Image. Es färbt auf Euch ab, also damit ganz klar, Stärke oder Schwäche.

Design

Eher unauffällig, eher auffällig? Extravagant? Angesagt? Trendig? Das sind Dinge, die man eher schwach oder auch stark werten kann.

Preis

Teuer oder preiswert? Es gibt nicht viel dazwischen.

Zuverlässigkeit

Habe ich eher Produkte, die langlebig sind? Oder habe ich Produkte, die eher reparaturanfällig sind? Ich glaube nicht, dass es heute noch Fabrikate gibt, die noch total reparaturanfällig sind. Es mag sicherlich Unterschiede geben, auch von Model zu Modell. Vielleicht von Fabrikat zu Fabrikat, das möchte ich nicht negieren, aber wenn ich mal so zwanzig, dreißig Jahre zurückdenke, da gab es schon Marken, die tatsächlich echt Probleme hatten und einigen der Marken, hängt dieser Ruf auch immer noch nach, obwohl es in der Realität gar nicht mehr so extrem ist, wie es damals mal war.

Wiederverkaufswert

Ganz wesentlicher Punkt heutzutage. Es werden immer mehr Fahrzeuge geleast oder mit Ballonfinanzierung finanziert, da spielt natürlich auch der Wiederverkaufswert eine Rolle. Wenn der relativ hoch ist, klar, dann habe ich natürlich einen Argumentationsvorteil. Ist er eher niedrig, weil der Wertverlust eher hoch ist, dann habe ich natürlich auch wieder einen Nachteil.

Verarbeitung

Exzellent oder durchschnittlich? Wie sind die Fahrzeuge im Durchschnitt verarbeitet?

Wettbewerb

Habe ich viel oder wenig Konkurrenz? Wobei das hier auch auf das Fabrikat/Segment abzielt, soll heißen, es geht hier weniger darum zu sagen: „Ja, ich habe noch andere Händler in meiner Umgebung.“ Sondern es geht vielmehr um das Fabrikat oder auch die Modelle in einzelnen Fabrikaten, in ihren Segmenten. Sind die da eher alleine unterwegs? Mit relativ wenig Wettbewerb oder sind die da schon im scharfen Wettbewerb unterwegs? Beispiel: BMW hat mit dem X6 ein Segment der SUV Coupés begründet und ist dort lange Zeit allein unterwegs gewesen.

D.h., sie haben ein Segment begründet, wurden am Anfang arg belächelt (ist am Anfang auch nicht gleich eingeschlagen wie die Bombe, aber nach einiger Zeit ist es richtig gut angelaufen und die konnten sich da tummeln) und hatten Langezeit keinen Wettbewerb, weil die niemand auf den Schirm hatte. Tja und jetzt ziehen natürlich nach und nach Wettbewerber hinterher, weil sie erkannt haben, dort ist Geld zu verdienen. Das wäre zum Beispiel ein Segment gewesen, wo der BMW Händler lange Zeit sagen könnte: „Ach toll, wir haben kaum Wettbewerb in diesem Bereich.“

Marktanteil

Genau das Gleiche: Vorhin hatten wir es ja für Euren Betrieb, jetzt hatten wir es für Euer Fabrikat. Also habe ich da eine Marke, die eher stark aufgestellt ist am Markt? Oder habe ich da eine Marke, die eher durchschnittlich ist oder vielleicht sogar unbedeutend? Wenn ich eine Marke habe, die stark aufgestellt ist am Markt, dann ist das per sé rse natürlich schon einmal ein Vorteil. Okay, wenn ich das Beispiel Volkswagen sehe, kann so etwas auch manchmal zum Nachteil gereichen, wenn die Marke mal ein Problem hat. Allerdings, grundsätzlich kann man sagen, eine starke Marke ist ein Vorteil, auch wenn diese Marke höhere Anforderungen an Euch als Händler stellt. Aber grundsätzlich habt Ihr damit sehr viel Rückenwind am Markt. Stellt Euch vor, Ihr habt eine Marke, die null Komma X Prozent Anteil am Markt hat, da hast Du es grundsätzlich immer schwerer, weil solche Marken natürlich finanziell nicht so stark aufgestellt sind, dass sie großartiges Marketing machen können, was dann wiederum auf Euch abfärbt. Auch das ist ein Thema, wo man sagen muss, starke Marken sind natürlich ein Vorteil.

Verkaufszahlen

Verkaufszahlen dieser Marken, dieser Fabrikate, in diesem Fall eher bundesweit, wie vorhin gedacht im Handel. Ich würde das relativ sehen, also seid Ihr da eher stark unterwegs? Oder seid ihr da eher schwach unterwegs?

Das ist eine Checkliste für eine Stärke und Schwächen Analyse. Man kann das sicherlich ausweiten oder noch detaillierter machen, aber man muss die Kirche auch im Dorf lassen und am Ende solche Sachen praktikabel halten. Die meisten Autohäuser, die ich kenne, haben keine Marketingabteilung, die auch Zeit und Möglichkeiten, also Ressourcen hat, sich ausgiebig mit solchen Analysen zu beschäftigen. Insofern muss man solche Sachen auch etwas übersichtlich halten.

Ich glaube, wer nach solchen Kriterien prüft, der ist schon deutlich weiter, als alle diejenigen, die es nicht tun, weil derjenige sich einschätzen kann, ein Gefühl dafür entwickeln kann, sind wir wirklich so gut wie wir glauben oder glauben wir nur so gut zu sein. Dazwischen gibt es einen ganz enormen Unterschied und ich möchte Euch motivieren, darüber nachzudenken, diesen Unterschied aufzuheben bzw. sich wirklich ein realistisches Bild zu vermitteln, um über diesen Weg dann für sich gesunde und vernünftige Entscheidungen treffen zu können.

Soviel soll es heute erst einmal gewesen sein. In der nächsten Episode werden wir darauf eingehen, woher man an einen Großteil dieser ganzen Informationen kommt, d.h. all die Dinge, die ich jetzt gerade genannt habe in dieser Checkliste. Es geht ja nicht darum, das man diese für sich aus dem Kopf ermittelt, hier und da möchte man ja auch auf andere Quellen zugreifen und was es für Quellen gibt, wo man diese ganzen Daten, diese ganzen Informationen herbekommen kann, darauf gehen wir nächste Woche ein. Bis dahin wünsche ich Euch eine erfolgreiche Zeit, bleibt mir gewogen und ich würde mich freuen, wenn ihr nächste Woche wieder dabei seid.

Tschüss
Derek Finke