Da ist er also: Der Zukunftspakt von Volkswagen. VW-Chef Matthias Müller versucht mit einem gewaltigen Befreiungsschlag, den Laden nach vorn zu treiben.

Der Volkswagen Zukunftspakt hat es in sich

Die öffentlich bekannten Details lassen aufhorchen. Abbau von weltweit 30.000 Arbeitsplätzen – 23.000 davon allein in Deutschland. Gleichzeitig soll es Millionneninvests geben, inkl. der Schaffung von 9.000 Arbeitsplätzen im Bereich der E-Mobilität. Überhaupt scheint es VW mit der E-Mobilität ernst zu meinen. Die Automobilwoche berichtet aus unternehmensinternen Unterlagen, dass man in Wolfsburg offenbar verstanden hat, wohin die Reise geht.

Wer den Konzern ein wenig kennt, weiß, dass allein der Begriff „Arbeitsplatzabbau“ nicht zum Wolfsburger Management-Vokabular gehört. Wer dennoch (laut) darüber nachdachte, hatte in diesem Unternehmen keine Zukunft. Zu stark war der Betriebsrat, zu opportunistisch das Management, zu schwach bzw. politisch beeinflusst die Großaktionäre. Dass es jetzt sogar in diesem Umfang weniger Mitarbeiter geben wird, zeigt, wie ernst die Lage bei VW tatsächlich ist.

Seit Jahren verdient die Kernmarke nur rudimentär und lässt sich durch profitable Beteiligungen und Tochterunternehmen subventionieren. Warum? Unter anderem auch deswegen, weil viel zu viele Mitarbeiter im Unternehmen sind. Mitarbeiter, die man eigentlich nicht für das bestehende Geschäft benötigt. Das treibt die Kosten in die Höhe und verringert die Effizienz. Doch aus weiter oben genannten Gründen mussten diese gehalten werden, koste es, was es wolle.

Der gordische Knoten ist gelöst

Jetzt mussten auch die Gewerkschaften einsehen, dass es so nicht mehr lange weitergehen würde. Auf der Kostenseite war man nicht länger wettbewerbsfähig, dazu kommen immense Investitionen in neue Technologien. Die Abgasthematik war in diesem Fall der Brandbeschleuniger, ist aber nicht die Ursache dieses Problems. Hier und da wird jetzt geschrieben, die Arbeitnehmer wären die Leidtragenden der bösen Abgasmanager. Das mag an anderer Stelle stimmen, hier ganz sicher nicht.

Top-Management, Großaktionäre, Gewerkschaften und Betriebsrat sollten wenigstens jetzt ehrlich sein und sich eingestehen, dass das Unternehmen durch ihre verfehlte Politik seit Jahren über seine Verhältnisse gelebt hat.

Im Wettbewerbsvergleich ist es schon länger so, dass Volkswagen für den Bau eines Autos deutlich länger und deutlich mehr Mitarbeiter als andere Hersteller braucht. Ergo: zu teuer produziert. Die gerne betonten, zweistelligen Milliardengewinne mögen auf dem Papier toll ausgesehen haben. Beispiel 2014: Bei einem Umsatz von 202,5 Mrd. EUR wurden 12,7 Mrd. EUR verdient. Klingt erstmal gut. Das macht gut 6,2% Umsatzrendite für den Gesamtkonzern! Da sind aber die ertragreichen Töchter Audi, Porsche und Volkswagen Financial Services schon reingrechnet. Oder anders gesagt: Die haben das Ergebnis ausgesprochen positiv beeinflusst.

Die Rosskur wird hart

Wir dürfen gespannt sein, wie ein derartiges Eingreifen in die Firmenkultur auf dieselbe der Zukunft wirkt. Für meine Begriffe ist ein harter Schnitt dieser Art der einzige Weg, um Marke und Konzern voranzubringen. Von einer sicheren Zukunft kann dort aber im Moment noch niemand ausgehen. Allenfalls werden spät, aber immerhin, die Grundlagen gelegt, um auch künftig eine starke Rolle zu spielen. Ob das gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Für mich ist noch lange nicht ausgemacht, dass der Konzern in drei oder fünf Jahren noch aus diesem Markensammelsurium besteht.

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Unabhängig von meiner eher kritsichen Position gegenüber den langjährigen Verantwortlichen hoffe ich darauf, dass Volkswagen sich berappelt und uns mit tollen Ideen, durchdachten Konzepten und einer überzeugenden Strategie auch in den nächsten Jahren beglückt.

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Wer schreibt hier? Derek Finke ist ein Digital Car Guy. Nach beruflichen Stationen in Autohaus, Autovermietung, Händlerverband und Unternehmensberatung ist er heute als Strategie- und Marketingberater für Selbständige und KMU tätig. Derek arbeitet nach dem Motto: Menschen machen gern Geschäft mit Menschen, die sie mögen und denen sie vertrauen!