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Gemunkelt wurde viel und lange – nur geschehen ist bislang noch nicht viel. Doch heute hat Amazon mit seinem Angebot Amazon Vehicles einen Schritt in Richtung Autobusiness getan. Nein, kaufen kann man da (noch?) kein Auto. Und bislang gibt es das Angebot nur in den USA. Doch was steckt dahinter?

Amazon Vehicles – eine Datenbank für Autokäufer

Amazon scheint hier sehr iterativ vorzugehen. Waren es bislang nur Ersatzteile und Zubehör, die wie alle anderen Artikel auch selbst oder auf dem Marktplatz verkauft wurden, bietet man jetzt auch Informationen an. Kostenlos stellt das Unternehmen viele Infos zu Neufahrzeugen, Preisen und Ausstattungen, Ausstattungslinien usw. zur Verfügung. Dabei werden auch ältere, längst nicht mehr angebotene Fahrzeuge beschrieben und bebildert, was für Gebrauchtwagenkäufer relevant sein dürfte.

Wie auch sonst bei Amazon üblich, können Bewertungen bzw. Kommentare zu den Fahrzeugen abgegeben werden. So entsteht nach und nach ein riesiger Datenpool. Gefüttert einerseits von Amazon selbst, andererseits von Usern. Diese Daten sind bares Gold wert, wenn man damit etwas anzufangen weiß.

Amazon Vehicles – exzellente Marktforschung

Wer, wenn nicht Amazon, weiß, was mit diesem Datenschatz anzufangen ist?! Beispiel: Welche Modelle in welchen Farben und welchen Ausstattungen werden wie häufig und zu welcher Tages- und Nachtzeit betrachtet und bewertet? Wie fallen die Bewertungen aus, d. h., wenn man irgendwann mal Fahrzeuge anbieten möchte, kann man von vorn herein die Beliebtheitsskala ins Spiel bringen. Sie können nachvollziehen, woher die User kamen, bevor sie auf die Amazon-Seite kommen. Sie können auch analysieren, wohin sie danach gewechselt sind.

In der Fragen & Antworten-Sektion lassen sich individuelle Bedarfe nachvollziehen. Und Amazon könnte auf diesem Weg auch in den direkten Dialog mit den Autokauf-Interessenten treten. Sie können die Beziehungsebene vertiefen oder diesen Bereich gegen gutes Geld an jemand anderes vermieten (z. B. einen OEM oder interessiertes Autohaus).

Mit den gewonnen Daten und Erkenntnissen lässt sich jedenfalls hervorragend ableiten, in welcher Phase des Kaufprozesses die User sich befinden. Darauf kann dann passend reagiert werden, beginnend bei der passenden Werbeeinblendung, über ein maßgeschneidertes Angebot bis hin zu idealem Zubehör.

Amazon Vehicles – neuer Wettbewerb gegen etablierte Anbieter

Und so ganz nebenbei wildert Amazon auch im Revier der beiden großen Portalbetreiber Cars.com und Autotrader. Das sind die Pendants zu den hier etablierten Portalen wie autoscout24.de und mobile.de. Nur dass die beiden in den USA nicht nur größer sind, sondern auch viel mehr und detailliertere Informationen rund um den Autokauf anbieten.

Stand heute wird noch niemand außerhalb von Amazon mit Gewissheit sagen können, welche Strategie der Onlinehändler verfolgt. Fakt ist aber, dass Amazon versucht, mit vielfältigen Informationen rund um Autos einen direkteren Zugang zu potentiellen Autokäufern zu erhalten. Ohne Frage hat der Konzern imagemäßig, IT-seitig und in Bezug auf seine Logistik beste Voraussetzungen, um in diesem Geschäft eine führende Rolle zu spielen. Das schrittweise Vorgehen offenbart eine gewisse Vorsicht – nicht ohne Grund, denn kein geringerer als Google ist mit seinen Versuchen in dieser Richtung grandios auf die Nase gefallen.

 

Wer schreibt hier? Derek Finke ist ein Digital Car Guy. Nach beruflichen Stationen in Autohaus, Autovermietung, Händlerverband und Unternehmensberatung ist er heute als Strategie- und Marketingberater für Selbständige und KMU tätig. Derek arbeitet nach dem Motto: Menschen machen gern Geschäft mit Menschen, die sie mögen und denen sie vertrauen!