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medium_6912948733Da ist sie also, die Meldung, auf die die Marketer der Kfz-Branche seit langem gewartet haben: Nach einer aktuellen Umfrage der puls Marktforschung nutzen immer mehr Autohändler in Deutschland die Sozialen Medien für ihr Marketing. Na was sind wir jetzt happy, denn wir haben es ja schließlich schon immer gewusst, oder?

Doch jubelschreiend wird wohl niemand durch die Gegend laufen. Warum? Nun, ganz einfach – die Realität sieht noch anders aus. Denn die Meldung sagt im Grunde ja nichts weiter aus als die Tatsache, dass die Weiterentwicklung auf niedrigem Niveau erfolgt. Und das, was dabei herauskommt ist zwar eine Verbesserung, aber eben keine Revolution.

In den letzten Tagen hatte ich die Gelegenheit, als Co-Referent bei zwei Onlinemarketing-Seminaren mitzuwirken, die über die Autohaus-Akademie organisiert und von Modix unterstützt wurden. Teilgenommen haben nahezu ausschließlich Markenhändler aller Größen. Es wurde deutlich, dass in Sachen Onlinemarketing bei den meisten Teilnehmern noch Handlungsbedarf, sprich Luft nach oben, besteht. Und in Bezug auf die Nutzung der Sozialen Medien gilt das umso mehr. Mein Eindruck war jedenfalls, dass da an vielen Ecken noch Unklarheiten und Unsicherheiten bestehen.

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So sind z. B. Facebook-Fanpages vieler Händler gefüllt mit Fahrzeugangeboten, quasi mit Marktschreierei. Wir sind die Größten, Besten und/oder Günstigsten. Die positive Wirkung solcher Selbstdarstellungen bleibt in aller Regel aus. Die Fanbasis wächst und interagiert nicht, Leads bleiben Mangelware.
Auf Twitter gibt es zwar Accounts diverser Händler, aber leider nutzt die Mehrheit diese nicht. Ähnlich sieht es bei Google+ aus, auch da sind durchaus einige Händler vertreten, aber an Inhalten und Interaktion mangelt es. Blieben noch Pinterest und Foursquare. Auch hier auf breiter Flur Fehlanzeige.

Soziale Medien dienen in erster Linie der Kommunikation und dem Dialog mit Kunden, Interessenten und Mitarbeitern (wobei die Letztgenannten nicht nur über diesen Weg erreicht werden sollten!). Sie können zur Imagebildung und zum Reputationserwerb genutzt werden, genauso gut oder auch schlecht kann es aber auch anders herum laufen. Soziale Medien sind aber ganz sicher Verkaufskanal, sondern eher so etwas wie ein Stammtisch. Klatsch und Tratsch sind das zentrale Element, Humor und Tragik inklusive. Je weniger anspruchsvoll die Sprache, desto erfolgreicher ist das in der Regel (eine Ausnahme ist vielleicht Google+). Geschichten aus dem echten Leben, Bilder, Videos – das sind die Gewürze des guten Geschmacks dort.

Insofern bleibt noch immer viel zu tun, aber die Pressemeldung zeigt auch, dass die Händler nach und nach verstehen, wo der Hase hinläuft. Es ist und bleibt spannend. Ich freu mich auf die Zukunft.

Photo credit: Poster Boy NYC via photopin cc