-26% von der UPEDas erste Quartal dieses Jahres ist aus Sicht der Hersteller und Neuwagenhändler katastrophal verlaufen. Allein 17,1% minus im März! Der VDA hat als Erklärung nichts weiter parat, denn zwei Arbeitstage weniger, als im Vorjahr. Da mutet es schon als Witz an, wenn der VDIK die zwei zusätzlichen Arbeitstage im April als Hoffnungsschimmer für die Zukunft wertet. Wenn wir schon bei der Suche nach den vermeintlichen Gründen sind, ich hätte da auch etwas beizusteuern (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Währungspolitische Unsicherheiten
Die Menschen erkennen, dass die europäische Schuldenkrise trotz aller Dementis und Beruhigungspillen noch nicht vorüber ist. Durch die Lage in Zypern sowie Italiens chronische Unregierbarkeit gerät das längst Abgehakte wieder ins Bewusstsein und führt zur Vorsicht im Umgang mit Geld, zumindest bei Entscheidungen über den Kauf so hochwertiger Konsumgüter, wie Autos. Wird sich daran etwas ändern? Grundsätzlich wohl kaum. Solange wie sich die EU-„Partner“-Länder gegenseitig über den Tisch ziehen, solange geltendes EU-Recht ohne Wimpernzucken von praktisch allen Mitgliedern ahndungsfrei gebrochen wird, solange die Politiker ihre Völker nach Strich und Faden belügen und für dumm verkaufen, solange bleibt es, wie es ist. Niemand sollte sich Illusionen hingeben – Schulden lassen sich nicht weg diskutieren, sie müssen beglichen werden.

Gesättigter Markt
Seit vielen Jahren pendeln die Zulassungen im deutschen Markt um die Marke von drei Millionen. Sowohl auf Seiten der Hersteller als auch der Händler besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass Wachstum nicht mehr zu erwarten ist. Alle denkbaren Anzeichen untermauern diese These, sei es die zunehmende Abgeklärtheit der Deutschen im Umgang mit dem Auto, die sich ändernden Mobilitätsbedürfnisse oder das Thema E-Mobilität. Schlussendlich bedeutet das Verdrängungswettbewerb, der in einem derartigen Marktumfeld eigentlich „alternativlos“ über den Preis geführt werden muss. Auf Seiten des Handels kann nur mit Differenzierung gegengesteuert werden. Das heißt, sich in positivem Sinne vom Wettbewerb zu unterscheiden.

Unrealistische Zielsetzungen
Seit eh und je ergeben die einzelnen Jahresziele der Marken zusammengerechnet eine Zahl von mehr als 100%. Im Grunde ist gegen quantitative Ziele ja nichts einzuwenden. Wenn aber allgemein anerkannt ist, dass es kein reales Wachstum geben wird, kann die Zielsetzung in Form von immer mehr zu verkaufenden Autos nicht das Maß aller Dinge sein. Statt dessen müssen auch qualitative Ziele angestrebt werden. Zielsetzungen sollte es in unserer Branche doch genug geben: sei es im Umweltschutz, der Verkehrssicherheit, der Rentabilität im Handel, der Gewinnung zusätzlicher Versicherungskunden usw. Zugegeben, das ist immer eine Mischung aus qualitativen und quantitativen Zielen. Aber nur so wird ein Schuh draus.

Ein Überangebot an Ware
Die Bänder laufen und laufen und scheinen sich weder regulieren, geschweige denn anhalten zu lassen. Andererseits haben die ersten Hersteller in Europa mit dem Abbau von Kapazitäten begonnen. Das macht Hoffnung, zeigt aber auch den Ernst der Lage. Dennoch haben wir nach wie vor mehr Angebot als Nachfrage. Und ich sehe das Pendel nicht wirklich in die andere Richtung ausschlagen. Jeder Händler muss zusehen, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten von Überbeständen freizuhalten bzw. zu befreien. Ich weiß, das klingt etwas abgehoben oder vielleicht auch realitätsfremd, aber was soll ich sonst sagen, schließlich zeigen einige Händler ja auch, dass das durchaus möglich ist?!

Marktferne Listenpreise
Neue Autos sind heute schlichtweg zu teuer. Es gibt niemanden auf der Nachfrageseite, der bereit wäre, den Listenpreis eines Autos zu bezahlen. Nach den Gesetzen unserer Wirtschaftsordnung reguliert sich der Preis einer Ware im Markt. In unserer Branche muss demnach der Listenpreis für die angebotene Ware schon seit langem mit Abstand zu hoch sein.
Die Argumentation einiger Verbände und Händler in diesem Zusammenhang ist kurios, behaupten diese doch, dass die Preise der Neuwagenvermittler die Marktrealität nicht widerspiegeln würden. Doch das ist ein Widerspruch in sich, denn die dort aufgerufenen Preise stammen schließlich nicht von den Vermittlern, sondern von Händlern, die über die Vermittler ihre Fahrzeuge in den Markt bringen (wollen). Diese Händler sind ganz normale Marktteilnehmer und nutzen die sich ihnen bietenden Möglichkeiten. Und die sind keine Realität?
Werden die Hersteller die Preise anpassen? Oh nein, das werden sie nicht tun. Und sie brauchen es auch nicht. So realisieren sie höhere Werksabgabepreise, was ihre eigenen Einnahmen optimiert. Und die Fahrzeuge verkaufen sich doch auch so, oder?

Zu wenig Angebot im unteren Preissegment
Bislang ist Dacia die einzig überzeugende Offerte im unteren Preissegment. Andere bieten entweder keine Qualität, haben kein Image, zu wenig Angebote, befinden sich bereits auf dem Rückzug oder sind noch nicht da. In diesem Segment wäre nach meiner Ansicht aber noch Wachstum möglich. Doch auch damit entstünde Verdrängungswettbewerb, denn der Markt insgesamt wird nicht mehr wachsen. Die Lasten wären dann im Neuwagengeschäft mit Klein-, Kompakt- und bedingt auch Mittelklassewagen zu spüren, aber auch im Bereich der Gebrauchtwagen. 

Es gibt also nichts umsonst – Licht und Schatten liegen nah beieinander. In diesem Sinne wünsche ich gute Geschäfte!

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